Liebe Annalena,
hab Dank für Deine Frage!!! Ich bin selber Betroffene, mal schwerer, mal weniger in Not. Meine Frage bisher war immer, wie geht mein Mann, wie gehen meine Kinder mit meiner Erkrankung um. Wie es meinen Eltern damit gehen mag, das habe ich mich weniger gefragt... da hast Du etwas in mir angestoßen, das nach Antworten drängt. Meine Eltern wollen "dass es mir gut geht", dass sie Fehler gemacht haben könnten, mich in kritischen Situationen nicht unterstützt haben, das weisen sie von sich, ihre Vergangenheit ist eine andere wie ich sie in Erinnerung habe...
Meine Eltern haben dabei wohl den kleinsten Anteil, mein Leid durch Mitschüler und Lehrer, überhaupt das Umfeld, ist es letztlich, was ich verarbeiten muss. Dafür, dass ich nicht ein "beliebtes, gesellschaftlich anerkanntes" Kind war habe ich mich vor meinen Eltern sehr geschämt und darum wohl auch alle Prügel und Ächtungen einfach für mich behalten. Um Hilfe habe ich nie gebeten, ich wollte das auch immer alles "für mich" regeln. Meine Eltern waren beide berufstätig, meine Mutter pflegte ausserdem den bettlägerigen Großvater... da war Sorge genug...
Du schreibst leider nicht, wie alt Dein Sohn ist. Inwieweit bist Du selber bereit, in Dein Leben, in Deine Vergangenheit zu schauen? Unabhängig von dem, wie Dein Sohn mit seinem Leben umgeht? Nicht, um Verfehlungen aufzudecken, sondern um für Dich selber Kraft zu bekommen, vielleicht selber zurückzublicken in Zeiten, wo das Leben für Dich selber kaum zu ertragen war, wenn es solche Zeiten gegeben haben sollte und daraus vielleicht am Ende auch ein stärkeres Verständnis für Deinen Sohn und seine Unsicherheit im Leben zu bekommen.
Aber vielleicht sehe ich das alles auch zu sehr von meiner eigenen Warte... ich denke nicht, dass meine Eltern meinen Zustand "verstehen", jemals verstanden haben...
Umso schöner, dass Du mit großem Mitgefühl versuchst, Deinen Sohn zu begleiten! Dass Du Deinen Umgang mit ihm hinterfragst und nach Möglichkeiten suchst, im zu helfen.
Alles wird gut! ... und wenn mal was nicht gut ist, ist es noch nicht fertig.

In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas
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