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Sonstiges Hallo zusammen

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Jaspis

unregistriert

1

Samstag, 21. April 2012, 12:29

Hallo zusammen

Guten Tag

Mein Name ist Miriam, ich bin 21 Jahre alt und habe vor 3 Jahren die Diagnose Borderline gestellt bekommen.

Ich weiss relativ viel über diese Störung, ich akzeptiere sie und ich war auch schon dreimal in psychiatrischer Behandlung, unter anderem im vierzehnwöchigen DBT in Oetwil am See.

Darum geht es mir gerade eigentlich gar nicht. Ich will etwas los werden, was mir massiv auf der Seele liegt.

Es geht um die Ungerechtigkeit, die psychisch Kranke vom Staat erfahren.

Meine Geschichte vom "Seltsam sein" ging schon los, als ich etwa vier oder fünf Jahre alt war. Ich war ein grosses Sensibelchen, dass sich alles viel zu sehr zu Herzen genommen hat und vergleichsmässig schnell überfordert war. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich sieben war - meine Mutter hat PTBS, mein Vater ist auch ein Fall für sich.

Von klein auf fehlte mir nötige Unterstützung im schulischen, wie auch im zwischenmenschlichen Bereich, dazu kamen einige negative Erfahrungen mit den Mitmenschen. Nur, um es zu betonen: Ich will hier kein Loch des Selbstmitleids auftun, ich verurteile keinen mehr - bis auf mein Heimatland, dass mich hängen lässt.

Mit Müh und Not habe ich die Realschule mit gar nicht so schlechten Noten beendet, aber danach folgte der erste heftige, definitive Absturz. Vor lauter "psychischem Kaputtsein" war es mir schier ein Ding der Unmöglichkeit, mich auf die Berufswahl zu konzentrieren, zu sehr hing ich in der Vergangenheit fest. Ich war komplett verzweifelt, flüchtete in Drogen und so weiter.

Mit achtzehn wendete ich mich an meinen Hausarzt, er möge mich, um Himmels Willen, in eine Klinik einweisen. Ich brauchte Hilfe, ganz dringend. Vorläufig bekam ich sie auch. Nach einem Überbrückungsaufenthalt in Langenthal konnte ich ins DBT in Oetwil am See. Das reichte nicht annähernd aus, weil vor Ort (zuhause) nach wie vor jegliche Unterstützung fehlte.

Erst nach und nach konnte ich mir ein Netz zusammenbasteln - und nach einem weiteren Aufenthalt, bei dem es um meine Arbeitsfähigkeit gehen sollte, kam dann endlich der Entscheid von der IV, dass ich mit einer Wiedereingliederungsmassnahme beginnen kann.

Von November 11 - März 12 arbeitete ich 50% in einer Bäckerei - und dann kam ein erneuter, psychischer Kollaps. Von einem Tag auf den Anderen hiess es von der zuständigen Dame der IV, es habe keinen Sinn mehr, ich solle mich beim Sozialdienst melden, bis mein Rentenanspruch geprüft wurde.

Das führt mich zur aktuellen Situation. Ich bin allein, sozial isoliert, und das ist grausam. Meine ehemals gesunden Freunde melden sich nicht mehr bei mir. Ich bin Arbeitslos - also denken die meisten, ich sei gleichzeitig asozial. Faul. Ein Schmarotzer.

Was viele nicht verstehen - wie gerne würde ich arbeiten gehen! Es hat mir solchen Spass gemacht, mich während der Massnahme als anerkanntes Mitglied der Gesellschaft wiederzufinden. Ich hatte Selbstwert, Antrieb und Motivation. Und es ergaben sich erste Möglichkeiten, Freundschaften zu schliessen. Das ist jetzt vorbei. Wiedereinmal.

Ich bin verbittert, das ist schrecklich, bedenkt man, dass ich noch kein viertel Jahrhundert alt bin. Und ich frage mich voller Zweifel - warum findet diese Ausgrenzung von psychisch Kranken statt? Warum redet man über Kürzungen bei der IV, wo es doch andere Lösungen geben würde, die nicht die Existenzgrundlage betrifft. Warum entscheiden Gesunde, was für "Kranke" das Beste ist?

Meiner Meinung nach wäre es Zeit für eine eigene Partei. Es wäre Zeit für ein Aufstehen, eine Rebellion gegen diese gottgrausige Bevormundung und Fehlbehandlung. Nur, ich stehe alleine da. Ich will hier keinen zu irgendetwas aufrufen, ich muss all diese Worte nur einmal loswerden, weil ich sonst daran ersticke.

Wie soll man gesund werden, wenn man um seine Existenz kämpfen muss? Wie soll man zu Selbstwert finden, wenn man nicht einmal als Mitglied der Gesellschaft anerkannt wird?

Ich kann die vorherrschende Situation nicht ändern, also muss ich Schlupfwege finden. Möglichkeiten, das Beste aus meiner Situation zu machen. Nur wie?

Verzeiht mir bitte, dass ich als erstes mit so etwas von mir hören lasse.

Ich wünsche euch allen ein gutes Wochenende

Miriam.

Trauerweide Weiblich

Moderator

Registrierungsdatum: 10. August 2007

Beiträge: 6 335

Stimmung: verliebt

2

Samstag, 21. April 2012, 12:46

Meiner Meinung nach wäre es Zeit für eine eigene Partei. Es wäre Zeit für ein Aufstehen, eine Rebellion gegen diese gottgrausige Bevormundung und Fehlbehandlung.


des wär mal wirklich ne geniale Idee! Aber wer hat den Mut sowas zu machen? Ich trau mich sowas nicht.. bin da leider nur Mitläufer.

:klatschen: :rt: :klatschen:

und nun noch: :wel: und fühl dich wie Zuhause, gibt kein besseres Forum :stolz:

lg

Traudi
" Gott erschuf die Katze,
damit der Mensch
einen Tiger
zum Streicheln hat "
( Victor Hugo ) :228:

Mein Link :ty:

Jaspis

unregistriert

3

Samstag, 21. April 2012, 13:41

Für so etwas braucht man in erster Linie Leute *g* Danke für's Willkommen (:

Blubbs Männlich

Mitglied

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4

Samstag, 21. April 2012, 17:19

:huhu:

Vielleicht schaffst du es ja auch ohne eigene Partei deine Ziele zu erreichen. :o)
Glaube an das was noch nicht ist, damit es werde.

Trauerweide Weiblich

Moderator

Registrierungsdatum: 10. August 2007

Beiträge: 6 335

Stimmung: verliebt

5

Samstag, 21. April 2012, 19:32

ich denke Leute gibts genug nur draut sich keiner :P
" Gott erschuf die Katze,
damit der Mensch
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( Victor Hugo ) :228:

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Epidemais Männlich

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6

Samstag, 21. April 2012, 19:35

Ehrlich gesagt hätte ich auch nicht gerade große Lust mich vor der gesamten Welt als "psychisch krank" darzustellen. Es wissen ohnehin schon viel zu viele Leute, da müssen es nicht noch alle wissen.

Aber einen Wähler hätte diese Partei auf jeden Fall.

achja und: :wel:
Wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte man den Kopf nicht hängen lassen

Mima Weiblich

Moderatorin

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Stimmung: durchgedreht

7

Sonntag, 22. April 2012, 13:50

:we: Miriam!

Ich kann die Situation in der Schweiz schlecht beurteilen. Grundsätzlich muss ich aber feststellen, dass in den letzten Jahren der Umgang mit dem Thema psychische Störungen sich stark verändert hat. Das soll nicht heißen, dass die verschiedenen psychischen Krankheitsbilder die gleiche Akzeptanz erfahren, wie körperliche Leiden, aber es ist ein Wandel spürbar. Bei einer nichtsichtbaren Krankheit ist es immer schwieriger, eine Diagnose zu bekommen und eine entsprechende staatliche Unterstützung zu erhalten oder sogar gesellschaftliche Anerkennung.

Du hast Dir - wie wohl keiner der irgendwie krank ist - Dein Borderline nicht ausgesucht, sondern bist eben einfach betroffen. Und ich spüre auch Deine große Not, wenn Du Deine momentane Situation schilderst. Auch Deinen Wunsch, es möge sich doch etwas in Deinem Leben und Umfeld verändern lassen, erkenne ich klar und finde den auch absolut nachvollziehbar. Leider läßt sich eine Gesellschaft nicht von jetzt auf gleich verändern, das braucht Zeit. Und in dem Zusammenhang überlege ich grade, seit wann es wohl überhaupt eine finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite und damit eine Einstufung von psychischen Erkrankungen als Invalidität gibt. Das war mit Sicherheit ein langer Weg.

Letztlich ist es traurige Wahrheit, dass nur Du selbst etwas für Dich und Deine Situation tun kannst. Kein anderer steckt in Dir und Hilfen von aussen können nur soweit wirken, wie Du sie auch umsetzen kannst. Woran es letztlich lag, dass Deine Eingliederungsmaßnahme so abrupt beendet wurde, kann ich nicht einschätzen, schade ist, dass sich die Leute von der Bäckerei, in der Du nun ja ein halbes Jahr gearbeitet hast, nicht für Dich eingesetzt haben. Und es entsetzt mich auch, dass Du in so kurzer Zeit in diese völlige Isolation gerutscht bist, seit März ist ja noch gar nicht so lange.

Es läßt sich schlecht einschätzen, wie stabil Du Dich selber fühlst, ob Du in der Lage wärst, wieder zu arbeiten und ob Du die Kraft aufbringen kannst, auch dafür zu kämpfen. Und es wäre natürlich toll, wenn Du für Dich selber einstehen könntest, zur Bäckerei gehen würdest und dort anfragen, ob sie Dich nicht beschäftigen würden und zwar unabhängig von einer Wiedereingliederungsmaßnahme (blödes Wort, jemanden "wieder" einzugliedern, der zuvor nie die Chance hatte, sich überhaupt "einzugliedern").

:kraft:



Schwalbe Weiblich

Mitglied

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Beiträge: 1 200

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Therapiestatus: ambulante Therapie

Geburtstag: 1. Dezember 1968 (44)

Wohnort: Thalheim

Stimmung: weinend

8

Sonntag, 22. April 2012, 22:58

Die Wiedereingliederung verfolgt ein einziges Ziel, dass der brave Bürger sein Lebensunterhalt selbst verdienen "kann". Bevor man aber überhaupt zur IV-Rente kommt, ist eine Menge Papierkram zu erledigen. Mir hat man bereits 2x angerufen, ein "Schadensbeauftrager" der Versicherung des Arbeitgebers, kam bei mir zu Hause vorbei und stellte viele Fragen. Vom Anmeldeverfahren bis zur möglichen 1. Rentenzahlung können 2 Jahre verstreichen, aber es wird Rückwirkend (max. 2 Jahre, daher rechtzeitig anmelden) bezahlt. Die IV-Rente wird aber nur ab 40% Arbeitsunfähigkeit ausgezahlt!
Dann kommt ja noch das liebe, kluge Schweizervolk, das bei der Abstimmung die IV-Revision annimmt. Diese IV-Schmarotzer sollen gefälligst arbeiten gehen, meinen die gesunden Bürger oder jene die ihr Lebensunterhalt ja auch selbst verdienen.
Jaspis ich verstehe dich sehr gut. Mein Mann bekam über 10 Jahre eine IV-Rente, diese wurde im Juni 2010 (dank der Abstimmungsannahme) eingestellt. Er könne ja zum Sozialamt gehen, was lachhaft ist, denn ich müsste einen Lohn unter dem Existenzminimum (2'500.--) erhalten. Er findet auch keinen Job und hat Null Hilfe von den Behörden. Es gibt immer mehr, denen das gleiche Schicksal ereilt. Sollte ich eine IV-Rente erhalten, weil ich immer noch nicht volle Leistung bringen kann, ist ungewiss wie lange diese ausgezahlt wird.

Wir Schweizer sind echt ein merkwürdiges Volk.Wer sonst würde: ganz klar NEIN zu 1 Woche mehr Urlaub sagen, IV-Revision zum Nachteil der Betroffenen JA sagen, Ja zur Senkung von 2 auf 1 Jahr Arbeitsnachweis (ohne kann man sich nicht im Arbeitslosenamt anmelden) sagen.

Noch was drückt mich, es wird immer von der "Arbeitslosenquote" gesprochen, die ja angeblich wieder gesunken ist. Wieviele davon sind die sogenannten Ausgesteuerten? Wird einem die IV-Rente gestrichen, kann man nicht einmal aufs Arbeitslosenamt.
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Glück liegt nicht darin, zu tun, was man mag, sondern zu mögen, was man tut.
--J.M. Berry--

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