
Miriam!
Ich kann die Situation in der Schweiz schlecht beurteilen. Grundsätzlich muss ich aber feststellen, dass in den letzten Jahren der Umgang mit dem Thema psychische Störungen sich stark verändert hat. Das soll nicht heißen, dass die verschiedenen psychischen Krankheitsbilder die gleiche Akzeptanz erfahren, wie körperliche Leiden, aber es ist ein Wandel spürbar. Bei einer nichtsichtbaren Krankheit ist es immer schwieriger, eine Diagnose zu bekommen und eine entsprechende staatliche Unterstützung zu erhalten oder sogar gesellschaftliche Anerkennung.
Du hast Dir - wie wohl keiner der irgendwie krank ist - Dein Borderline nicht ausgesucht, sondern bist eben einfach betroffen. Und ich spüre auch Deine große Not, wenn Du Deine momentane Situation schilderst. Auch Deinen Wunsch, es möge sich doch etwas in Deinem Leben und Umfeld verändern lassen, erkenne ich klar und finde den auch absolut nachvollziehbar. Leider läßt sich eine Gesellschaft nicht von jetzt auf gleich verändern, das braucht Zeit. Und in dem Zusammenhang überlege ich grade, seit wann es wohl überhaupt eine finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite und damit eine Einstufung von psychischen Erkrankungen als Invalidität gibt. Das war mit Sicherheit ein langer Weg.
Letztlich ist es traurige Wahrheit, dass nur Du selbst etwas für Dich und Deine Situation tun kannst. Kein anderer steckt in Dir und Hilfen von aussen können nur soweit wirken, wie Du sie auch umsetzen kannst. Woran es letztlich lag, dass Deine Eingliederungsmaßnahme so abrupt beendet wurde, kann ich nicht einschätzen, schade ist, dass sich die Leute von der Bäckerei, in der Du nun ja ein halbes Jahr gearbeitet hast, nicht für Dich eingesetzt haben. Und es entsetzt mich auch, dass Du in so kurzer Zeit in diese völlige Isolation gerutscht bist, seit März ist ja noch gar nicht so lange.
Es läßt sich schlecht einschätzen, wie stabil Du Dich selber fühlst, ob Du in der Lage wärst, wieder zu arbeiten und ob Du die Kraft aufbringen kannst, auch dafür zu kämpfen. Und es wäre natürlich toll, wenn Du für Dich selber einstehen könntest, zur Bäckerei gehen würdest und dort anfragen, ob sie Dich nicht beschäftigen würden und zwar unabhängig von einer Wiedereingliederungsmaßnahme (blödes Wort, jemanden "wieder" einzugliedern, der zuvor nie die Chance hatte, sich überhaupt "einzugliedern").